[DE] Weltnichtrauchertag – und jährlich grüßt das Murmeltier

Wie in jedem Jahr ist am 31.05. der ANTZ-Feiertag, der Weltnichtrauchertag.

Wie in jedem Jahr werden wir mit diversen Falschaussagen zur E-Zigarette konfrontiert.

Die WHO hat in diesem Jahr das Motto „Poisoning Our Planet – Vergiftung unseres Planeten“ 1 durch Tabak ausgerufen. Demnach sind die Tabakfarmer und Tabakproduktehersteller mit an dem „Klimawandel“ schuld: auf der Website wird aufgelistet wieviel Bäume für die Tabakproduktion gefällt werden, wieviel CO2 dadurch freigesetzt und wieviel Wasser für die Zigarettenproduktion benutzt wird.

Interessanterweise liest man von der WHO niemals etwas von der Pharmaindustrie, welche in Ländern wie Indien unter übelsten Bedingungen mit Null Umweltstandards produzieren 2 .

Doppelmoral vom Feinsten.

In Deutschland wird der Weltnichtrauchertag durch das Aktionbündnis Nichtrauchen e.V. (ABNR) getrieben, Inhalte ähnlich zur WHO aber mit einem etwas anderen Motto: „Save (y)our Future. #LebeRauchfrei“ 3. In diesem Jahr neu, die E-Zigarette als großer Umweltsünder:

Auch E-Zigaretten und Tabakerhitzer verursachen Umweltschäden

Hinzu kommen mittel- bis langfristige Umweltschäden durch die Produktion und Entsorgung von E-Zigaretten und Tabakerhitzern. Die aus Plastik, Metall und Batterien/Akkus bestehenden E-Zigaretten und Tabakerhitzer, die Tabakstifte in den Tabakerhitzern und die Nachfüllfläschchen von E-Zigaretten führen zu großen Mengen von Plastik- bzw. Sondermüll.

Ebenso werden Forderungen zur noch heftigeren Regulierung wiederholt und neue Forderungen gestellt:

  • Steuern auf Tabak- und Nikotinprodukte kontinuierlich und deutlich erhöhen.
  • Nachweislich wirksame Tabak- bzw. Nikotinentwöhnung niederschwellig anbieten.
  • Werbung, Promotion und Sponsoring für Tabak- und Nikotinprodukte in jeder Form vollständig verbieten.
  • Den Schutz für Nichtrauchende verbessern und vereinheitlichen sowie auf Wasserpfeifen, E-Zigaretten und Tabakerhitzer erweitern.
  • Eine Umweltabgabe zur Kompensation der durch Zigarettenkippen und neuartige Nikotinprodukte verursachten Schäden einführen.“

Kein Wort zu Harm Reduction.

Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bekleckert sich nicht mit Ruhm in ihrer Pressemitteilung zum diesjährigen Weltnichtrauchertag 4:

Von der Nutzung von E-Zigaretten und Tabakerhitzern rät die BZgA ab, da der Konsum mit Gesundheitsrisiken verbunden ist und die Wirkung beim Rauchstopp in Studien nicht bestätigt werden konnte.

Aha, spannend, genau das aber zeigen so manche Studien, dass gerade die E-Zigarette mindestens doppelt so effektiv ist als herkömmliche Nikotinersatztherapien um einen Rauchstopp zu erlangen. Alleine in der kleinen Studiendatenbank meines Blogs sind 88 Studien gelistet, welche sich mit dem Thema Rauchstopp und E-Zigarette beschäftigen.

Auf Twitter 5 wurde das BZgA auf diesen Umstand hingewiesen. Als Reaktion wurden einige unliebsame Antworten ausgeblendet. So geht es natürlich auch, einfach die Augen vor der Realität verschließen. Rauchenden Menschen ist damit nicht weitergeholfen.

So verwundert es auch nicht, dass in der Öffentlichkeit eine total verzerrte Risikowahrnehmung der E-Zigarette im Vergleich zur Tabakzigarette besteht:

Quelle 22. BfR-Forum Verbraucherschutz Chancen und Risiken der E-Zigarette, Vortrag Mark Lohmann

Das es auch anders geht zeigt eine aktuelle Mitteilung 6 zum Weltnichtrauchertag der Uniklinik Leipzig:

[…] Ein Vergleich der E-Zigarette mit der herkömmlichen Verbrennungszigarette zeigt interessanterweise, dass sie insgesamt weniger schädlich für die orale Gesundheit sein kann.
Auch das Ansprechen auf die Therapie sollte beim E-Zigaretten-Nutzer besser sein als beim gewöhnlichen Raucher; […]

Auch hier wird der Rauchstopp als oberste Priorität für eine gute Mundgesundheit hervorgehoben. Im Gegensatz zum ABNR und BZgA verschließt sich die Klinik dem Ansatz der Tabakschadensminimierung nicht.

Am Klinikum Karlsruhe setzt sich der Gefäßmediziner Prof. Dr. Martin Storck immer wieder für Harm Reduction ein. Am 01 Juni 22, einen Tag nach dem Weltnichtrauchertag, lädt Prof. Storck zum 3. Karlsruher Präventionsgespräch 7. Vortragende werden u.a. sein: Prof. Dr. Ute Mons, Prof. Dr. Heino Stöver und Dr. Elke Pieper.

Rauchen und Sucht ist ein komplexer Zusammenhang, daher benötigen rauchende Menschen Alternativen bzw. verschiedene Optionen um einen Rauchstopp nachhaltig zu erreichen. Dieser One-Size-Fits-All bzw. Quit-Or-Die Ansatz der Tabakkontrolle funktioniert seit Jahrzehnten nicht.

Dies bemängelt auch Prof. Robert Beaglehole et al. in seinem neusten Beitrag im renommierten Journal The Lancet 8. Darin kritisieren die Autoren die fehlende Strategie der WHO und des FCTC und somit der weltweiten Tabakkontrolle im Allgemeinen:

Die fehlende Strategie in der Politik der WHO und des FCTC ist die Schadensminimierung. […] Die Schadensminderung beim Tabakkonsum verringert den durch verbrannten Tabak verursachten Schaden, indem Zigaretten durch weitaus weniger schädliche Formen der Nikotinabgabe ersetzt werden; diese Alternativen haben ein großes Potenzial, die Zigarettenindustrie zu stören.
Leider lehnen die WHO und die FCTC-Vertragsstaatenkonferenz die Schadensminimierung ab. Diese Ablehnung beruht nicht auf den technologischen Fortschritten des 21. Jahrhunderts und wird in unzulässiger Weise von Interessengruppen beeinflusst, die die Nikotinabstinenz fördern.
Dieser Widerstand privilegiert die schädlichsten Produkte – Zigaretten.

Dies ist das aktuelle Narrativ der Tabakkontrolle, es geht nicht mehr um den Rauchstopp im Allgemeinen sondern um die komplette Nikotinabstinenz. Prohibitionistischer geht es kaum. Dabei sind auch hier die Fakten klar: Nikotin für sich alleine ist kaum suchterzeugend und auch nicht krebserregend (siehe Studiendatenbank).

Es ist richtig und wichtig, dass diese Organisationen umdenken und das Prinzip der Tabakschadensminimierung als Instrument anwenden. Ansonsten werden weiter wie gehabt viele Millionen Menschen weltweit an tabakkonsumbedingten Erkrankungen sterben.

Weiterführende Informationen

Quellen

  1. https://www.who.int/campaigns/world-no-tobacco-day/2022
  2. Big Pharma – Die Allmacht der Konzerne
    https://programm.ard.de/TV/Programm/Jetzt-im-TV/?sendung=287243439242766  
  3. https://www.abnr.de/weltnichtrauchertag/2022-save-your-future-leberauchfrei/
  4. https://www.bzga.de/presse/pressemitteilungen/2022-05-24-weltnichtrauchertag-2022-save-your-future/
  5. https://twitter.com/bzga_de/status/1529013161747271680
  6. https://www.leipziginfo.de/aktuelles/artikel/universitaetsklinikum-leipzig-informiert-zum-weltnichtrauchertag-raucher-bezahlen-ihr-laster-auch-mit-ihren-zaehnen/
  7. https://www.klinikum-karlsruhe.de/aktuelles/presse/detailansicht/2022/05/karlsruhe-macht-sich-stark-fuer-praevention
  8. Robert Beaglehole et al.; Tobacco control: getting to the finish line
    https://doi.org/10.1016/S0140-6736(22)00835-2

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