BlogMedien und Magazine

[DE] arte – “Nikotin – Droge mit Zukunft?”

Am 22.09.2020 lief auf arte eine Dokumentation mit dem Titel “Nikotin – Droge mit Zukunft1. Die Inhaltsangabe lies schon nicht Gutes erwarten. Dort wird von der Droge Nikotin, dem Lobbyismus der Tabakindustrie sowie noch eine Vermischung mit den Krankheitsfällen in den USA aufgrund illegaler THC-Liquids, sogenannte EVALI, schwadroniert.

Die Sendung selbst beinhaltet einige Wahrheiten aber auch viel Unwissen und auch Lügen. So wird auf die Tricks der Tabakindustrie zur Vertuschung möglicher gesundheitlicher Gefahren beim Rauchen eingegangen und wie die Tabaklobby im vergangenen Jahrhundert gearbeitet hat um das Rauchen möglichst harmlos aussehen zu lassen. Soweit so gut. Dann wird berichtet, dass die Tabakindustrie in den Markt der E-Dampfprodukte eingestiegen ist, was auch korrekt ist.
Ignoriert wurde aber der Fakt, dass die E-Zigarette eine Tabakindustrie unabhängige Erfindung ist und eine rein verbrauchergetriebene Innovation ist. Die Tabakindustrie ist auf den Zug aufgesprungen, da ihr die Kundschaft wegläuft und sie gesehen hat, dass die E-Dampfe funktioniert. Millionen Menschen weltweit, konnten bis heute das Rauchen mit Hilfe der E-Zigarette aufgeben. Klar, dass diese Unternehmen schauen müssen, wo sie bleiben, um keinen “Kodak-Moment” zu erleben. Ich will die Tabakindustrie nicht verteidigen aber das ist nun mal der Gang der Dinge. Entweder man ändert was oder man ist weg vom Markt. Die Tabakgiganten vertreiben im Bereich der E-Dampfprodukte hauptsächlich die Marke Vype (British American Tobacco), blu (Reemtsma) und Altria ist bei Juul eingestiegen. Philip Morris hat den Tabakerhitzer IQOS und BAT die glo, bei welchen Tabak erhitzt aber nicht verbrannt wird. Die Masse der E-Dampfprodukte im Fachhandel stammen definitiv aber nicht von der Tabakindustrie.

Des weiteren ist zu kritisieren, dass in der Dokumentation permanent von “Nikotinabhängigkeit” gesprochen wird. Das ist eine falsche Bezeichnung, denn es geht primär um Tabakabhängigkeit! Das große Suchtpotenzial bei Tabakzigaretten entsteht durch die Kombination von Nikotin und der Inhalation der Verbrennungsstoffe des Tabaks! Auch Karl Fagerstrom, der Erfinder des Tests für Tabakabhängigkeit hat dies erkannt 2. Nikotin für sich alleine ist kaum suchterzeugend und liegt auf dem Niveau von Koffein wie das Royal Society for Public Health festgestellt hat 3. Nikotin ist auch nicht krebserregend 4, es ist der Tabakrauch.
Würde Nikotin so süchtig machen, weshalb funktionieren dann die Nikotinersatztherapien von Big-Pharma so schlecht?
Weshalb gibt es dann keine Nikotinkaugummi- oder Nikotinpflasterabhängige?
In dieser Dokumentation werden hauptsächlich nur die Argumente der ANTZ (Anti Nicotine and Tobacco Zealots), der Anti-Raucher-Anti-Dampfer Organisationen breitgetreten. Die positiven Eigenschaften von Nikotin, wie Konzentrationssteigerung, positive Wirkung bei Alzheimer, Depression oder ADHS werden vollkommen außer Acht gelassen.

Zu allem Überfluss kam auch noch “EVALI” auf den Tisch: Krankheitsfälle in den USA, welche von dem CDC und FDA zuerst in Zusammenhang mit der E-Zigarette gestellt wurde. Dies hatte eine massive mediale Panikmache durch die Medien zur Folge, in der fälschlicherweise vor der E-Zigarette gewarnt wurde. Es hat sich aber recht schnell herauskristallisiert, dass dies nicht an der herkömmlichen E-Zigarette liegt, sondern an gepanschten, illegal mit Vitamin E-Acetat gestreckten THC-Liquids vom Schwarzmarkt 5. Diese Klarstellung hat das breite Publikum leider nie erreicht. In der Dokumentation wurde das zwar am Rande vermerkt aber es ist anzunehmen, dass dies im Kontext des Beitrages komplett am Zuschauer vorbei geht.

Den Abschuss hat der TV Beitrag gebracht, in dem ausgerechnet der unter Wissenschaftler äusserst umstrittene Prof. Stanton Glantz als Experte zum Thema E-Zigarette gebracht wurde. Dieser konnte es sich natürlich nicht nehmen lassen mit einem zynischen Grinsen seinen veröffentlichten Unfug erneut zum Besten zu geben. U.a. hat er sich auf seine Studie bezogen, in welche er behauptete, Nutzer von E-Dampfprodukten hätten ein größeres Herzinfarktrisiko 6. Diese Studie wurde aber aufgrund methodischer Fehler (Datenmanipulation etc.) Anfang diesen Jahres zurückgezogen 7.
Alleine dadurch hat sich diese Dokumentation schon disqualifiziert!

Neben Glantz kamen auch noch Sprecher einer Reihe von Nichtregierungsorganisationen zu Wort wie, Campaign for Tobacco-free Kids und S.T.O.P. , welche sich ganz aggressiv gegen das Rauchen und auch gegen das Dampfen engagieren. Interessanterweise werden ausgerechnet diese als “unabhängige Organisationen” bezeichnet, obwohl sie Zuwendungen u.a. aus der Pharmaindustrie erhalten! So unabhängig sind die ganz und gar nicht, denn schließlich will Big-Pharma ihre Nikotinersatzprodukte vertickern und nicht ihre rauchaufhörwillige Kundschaft an die E-Dampfe verlieren. Wo kommen wir denn hin, wenn sich jeder Raucher ganz ohne Arznei selbst entwöhnt?!?

Weiterhin ist auch zu bemängeln, dass keinerlei Verbraucherverbände für E-Dampfprodukte zu Wort kamen, wie z.B. Sovape, IG-ED oder die New Nicotine Alliance.

Es waren noch viel mehr Punkte zu kritisieren, wie die Werbung, Mäusestudien, dass Ignorieren der Tabakschadensminimierung etc. aber das würde den Beitrag sprengen. Ich persönlich habe fast den Eindruck, dass Drehbuch für diese “Reportage” kam direkt vom ABNR.
Alles in Allem werden hier dem Zuschauer eine Menge Desinformation, gemischt mit ein paar Wahrheiten, aufgetischt und die E-Zigarette in das schlechte Licht gerückt. Dabei sollten risikominimierende Produkte als Chance gesehen werden um vermeidbare Erkrankungen, wie die durch das Rauchen, los zu bekommen. Aber wie immer, spielt auch hier das Geld eine größere Rolle als die Gesundheit der Menschen. Jeder Bericht, der sich gegen die E-Zigarette richtet, wird dafür sorgen, dass Menschen weiterrauchen!

Die Fakten sind klar, die E-Zigarette:

  • ist mindestens 95% weniger schädlich als die Tabakzigarette 8
  • hilft Rauchern beim Rauchstopp und ist doppelt so effektiv wie herkömmliche Nikotinersatztherapien 9
  • hat einen positiven Effekt auf das Herz-Kreislauf-System, wenn man vom Rauchen auf das Dampfen umsteigt 10
  • hat Stand heute keinen negativen Effekt auf die Lunge 11
  • es gibt keinen “Passivdampf” und ist somit unschädlich für Dritte 12

Weiterführende Informationen

Footnotes

  1. https://www.arte.tv/de/videos/088021-000-A/nikotin-droge-mit-zukunft/
  2. https://nicotinepolicy.net/blogs/guest-blogs/27-karl-fagerstrom/82-dependence-on-tobacco-and-nicotine
  3. https://www.rsph.org.uk/about-us/news/nicotine–no-more-harmful-to-health-than-caffeine-.html
  4. https://cancer-code-europe.iarc.fr/index.php/de/12-moeglichkeiten/tabak/922-verursacht-nikotin-krebs
  5. https://ch-lippmann.de/blog/dampffreiheit/2020/02/us-studie-vitamin-e-acetat-ausloeser-von-lungenerkrankungen/
  6. https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/JAHA.119.012317
  7. https://matzes-dampferecke.de/2020/02/19/glantz-studie-entsorgt/
  8. https://www.gov.uk/government/publications/e-cigarettes-and-heated-tobacco-products-evidence-review
  9. https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1808779
  10. https://ig-ed.org/2019/11/herzgesundheit-nur-vier-wochen-bis-zur-besserung/
  11. https://doi.org/10.1038/s41598-017-14043-2
  12. https://doi.org/10.1080/17476348.2019.1649146

5 Gedanken zu „[DE] arte – “Nikotin – Droge mit Zukunft?”

  1. Naja, vom ABNR kam das nicht. Dann wäre die Argumentation deutlich plumper; die hängen mit ihren Pharma-Floskeln meist hinterher.

    Ein vorbereitetes Drehbuch gabs aber garantiert. Ich würde das sogar auf Januar datieren, weil da die Glantz-Studie noch nicht zurückgezogen war, aber es für den verbitterten Einspieler mit der Trump-Lobby-Runde gereicht hat. Und angesichts anderer Filmsequenzen, würde ich hauptsächlich CFTK dahinter vermuten. Die Truth Initiative oder STOP vermeiden tendenziell eher IQOS allzu schlecht zu reden.

    Besonders auffallend fand ich aber auch die Tabakverharmlosung. Um nichts anderes geht es nämlich, wenn man aus Tabaksucht eine Nikotinsucht dichtet. Das impliziert nämlich das Nikotin der alleinige Suchtstoff im Tabak sei, und die Antidepressiva oder Ammoniak/Harnstoff/Acetalaldehyd absolut keinen Effekt auf Suchtpotential und -wirkung hätten. Das ist ganz eindeutig die Vorwandsrhetorik der CFTK, um ihre Schaffenskraft auf E-Zigaretten auszuweiten und Jugendschutzgefahren aufzubauschen.

    1. War halt so ein Gedanke, dass natürlich auch andere ANTZ-NGOs dahinterstecken können ist sehr gut möglich.
      Stimmt, die Tabakerhitzer wurden weniger schlecht geredet als die E-Dampfprodukte!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.