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[CH] Philgood – Kommentar zum Brexit

Philgood, Betreiber eines Youtubekanals, hat einen sehr trefflichen Kommentar zum Brexit geschrieben:

Sind die E-Dampfer schuld am Brexit?
PHIL SCHECK·FRIDAY, 24 JUNE 2016

Die E-Dampfer werden in keiner Umfrage, in keinen Analysen oder Statistiken als Bevölkerungsgruppe wahrgenommen. Dennoch gibt es sie und ich glaube, dass die E-Dampfer zumindest mitschuldig am Brexit sind. „I vape – I vote“ war ein wichtiges Schlagwort der englischsprachigen Community und genau das haben sie jetzt getan: Die E-Dampfer sind an die Urne gegangen und haben abgestimmt!
Natürlich gibt es viele Beweggründe, warum man gegen den Verbleib in der EU hat stimmen können. Persönliche Frustration, Perspektivlosigkeit, übersteigerter Nationalismus, Angst vor fremden Richtern und Gesetzgebern.
Aber keine andere Bevölkerungsgruppe hatte in den letzten Jahren einen derart tiefen Einblick in die europäische Politik wie die E-Dampfer. Wie die europäische Union mit dem E-Dampfen umgesprungen ist, ist ein Sinnbild für eine völlig verkorkste Politik, die den Bürger aus den Augen verloren hat und nur noch den Grosskonzernen und den Eliten dient. Das ist wohl jedem Dampfer klargeworden, der sich auch nur minimal mit der Politik und der TPD2 auseinander gesetzt hat.
Wie soll man 3 Millionen britischen Dampfern erklären, dass die Gewinne von BigP und BigT wichtiger sind, als die Gesundheit der Menschen? Die britische Politik hätte mit dem Antrag von Lord Callanan im Oberhaus eine politische Möglichkeit gehabt, die TPD2 nicht in nationales Recht umzusetzen. Aber die Labour Partei hat diese Möglichkeit verraten und den Antrag zurückgezogen. Was also konnte man als britischer E-Dampfer noch tun? Man konnte sein Kreuz bei „Leave“ auf den Abstimmungszettel malen und genau das haben wohl sehr viele britische Dampfer getan.
Ein Kommentator im Schweizer Fernsehen hat heute Morgen von einem „Sieg der Emotionen über den Verstand“ gesprochen. Dieser wohl eher ironisch gemeinte Satz bringt die britische Abstimmung meiner Meinung nach auf den Punkt. Die Engländer haben aufgrund von Emotionen, von Leidenschaft und aus dem Bauch heraus entschieden. Ihr Bauchgefühl hat ihnen gesagt, dass das mit der EU nicht gut läuft und dass sie das so nicht wollen. Die Menschen verstehen nicht, warum die EU Salatgurken und Staubsauger reguliert und immer weiter in ihr persönliches Leben und in ihre Freiheit eingreift. Und die E-Dampfer verstehen nicht, warum die EU das E-Dampfen wegregulieren will, obwohl es ihnen gesundheitlich so viel besser geht als vorher, als sie noch Raucher waren.
Die Europäische Union wird sich nach diesem Entscheid des britischen Volkes sehr viele Gedanken machen müssen. Denn eben, sobald Emotionen über den Verstand entscheiden, wird es gefährlich für ein protektionistisches Bürokratiemonster wie die EU. Und wir brauchen mehr Emotionen, mehr Leidenschaft in dieser super-rationalen, durchgestylten neuen Welt! Die EU muss sich endlich auf ihr Kerngeschäft besinnen, nämlich dem Bürger zu dienen und ihn in Ruhe sein Leben leben lassen. Man kann nicht immer weiter in die persönliche Freiheit der Menschen eingreifen und gleichzeitig bei den grossen, wichtigen Themen wie Flüchtlingspolitik oder Weltfrieden so grandios versagen. Mit ein paar Milliarden für einen Despoten am Bosporus macht man die tausenden von Toten im Mittelmeer nicht wieder lebendig und schon gar nicht vergessen.
Persönlich bin ich ein Befürworter der Europäischen Union, mir gefällt die Grundidee vom freien Waren- und Personenverkehr ohne Grenzen und Zölle ausserordentlich gut! Aber die EU hat diese Grundgedanken verraten und sich immer weiter ins Abseits gewirtschaftet. Weg von den Menschen, hin zu einem Konstrukt, das dem Bürger nur noch als diktatorisches Ärgernis erscheint.
Das britische Volk hat einen mutigen Entscheid gefällt, gleichzeitig aber auch einen gefährlichen Weg gewählt. Niemand weiss heute, welche wirtschaftlichen Konsequenzen der Austritt aus der EU in Zukunft haben wird. Demokratische Abstimmungen gehen in aller Regel verloren, wenn eine Seite laut genug ruft, dass das Resultat negative Auswirkungen auf die persönliche wirtschaftliche Lage des Einzelnen haben könnte. Nicht so bei dieser Abstimmung, hier haben Emotionen über den Verstand gesiegt. Und dies zeigt eindrücklich, wie sehr das Vertrauen der Menschen zur EU gestört ist.
Wenn ich heute durch die TV-Stationen zappe, missfällt mir eines sehr: Überall sieht man lachende und feiernde Rechtspopulisten, Nigel Farage und Boris Johnson feiern den Brexit als ihren persönlichen Erfolg. Geert Wilders meldet sich aus Holland, der Front National macht Stimmung in Frankreich und schottische Nationalisten möchten lieber aus Grossbritannien austreten und in der EU verbleiben. Aber diese Abstimmung ist kein Sieg von rechten Nationalisten und diese sollten sich hüten, das Resultat so zu interpretieren! Es wäre eine Fehlauslegung, resp. eine Falschinterpretation des Wählerwillens. Die Briten haben nein zur EU gesagt, aber nicht gleichzeitig ja zu den Rechtspopulisten. Das sollte Herr Farage in all seiner Eitelkeit nicht vergessen, wenn er jetzt wie ein Pfau seine Parolen in jede verfügbare Kamera blökt. Sonst wird er der nächste sein, der ein „Nein“ erfährt. Die Populisten vergessen gerne, dass 48% der Briten für den Verbleib in der EU gestimmt haben. Es gilt jetzt also die Menschen wieder zu einen und nicht, sie noch weiter auseinander zu treiben.
An den internationalen Finanzmärkten werden heute tausende von Milliarden vernichtet, die Märkte sind vorübergehend im freien Fall. Vermögen, das an anderer Stelle fehlen wird. Ich habe die Entwicklung der Märkte in den letzten Tagen aufmerksam verfolgt und war sehr erstaunt. Alle Analysten und Händler sind von einem Verbleib Grossbritanniens in der EU ausgegangen und haben ihre Trades dementsprechend ausgerichtet. Jetzt ist es anders gekommen und es herrscht Panik. Einmal mehr beweisen die Finanzmärkte keine Weitsicht, sondern eine dummdreiste Borniertheit und Arroganz, die haufenweise Existenzen vernichten wird. Das ist fatal und auch das sollte zu denken geben!
Der 23. Juni 2016 wird als Tag des Brexit in die Geschichtsbücher eingehen. Wir leben in spannenden Zeiten und sollten weiterhin genau hinschauen. Und wir sollten vielleicht auch öfters Emotionen und Leidenschaft über den Verstand siegen lassen. Ich drücke den Briten in jedem Fall beide Daumen! Keep calm and vape on!

Quelle:
https://www.facebook.com/notes/phil-scheck/sind-die-e-dampfer-schuld-am-brexit/10154907791064908

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