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[DE] Unfairtobacco – spielt unfair?

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Das Projekt Unfairtobacco will aufzeigen, dass die Tabakindustrie insbesondere der Tabakanbau in den jeweiligen Ländern schadet und eine positive Entwicklung verhindert. Dabei wird alles über einen Kamm geschoren: E-Zigarette, Tabakerhitzer und Verbraucherorganisationen.

Unfairtobacco ist ein Projekt von der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Umwelt und Entwicklung (BLUE 21) e.V. 1, eine Lobbyorganisation welche auch im FCTC mitarbeitet. Für das Projekt “Unfairtobacco” hat Blue21 e.V. laut Angaben auf der Website u.a. Gelder vom:

  • Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
  • Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit des Berliner Senats
  • Stiftung Umverteilen
  • Stiftung Oskar-Helene-Heim
  • Brot für die Welt

erhalten.

Im September 2020 ist eine Ausarbeitung, “Index zur Einflussnahme der Tabakindustrie 20202 erschienen, mit welcher aufgezeigt werden soll, in welchem Maße die Tabakindustrie Einfluss auf politische Entscheidungsträger nimmt. Laura Graen ist die Autorin dieser Publikation und hat laut Projektseite Unterstützung von so manch einer NGO erhalten, welche auch immer wieder auftauchen, wenn es gegen die E-Zigarette geht u.a.:

  • Ärztlicher Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit (ÄARG)
  • Deutsche Allianz nicht-übertragbare Krankheiten (DANK)
  • Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP)
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
  • IFT-Nord Institut für Therapie und Gesundheitsforschung

In der Ausarbeitung selbst 3 gibt es jede Menge Danksagungen, etwa an Katrin Schaller und Ute Mons vom DKFZ, sowie an Martina Pötschke-Langer vom ABNR. Der Bericht selbst ist von der Bloomberg Philanthropies finanziert. Also alles in allem eine bunte Verquickung an allen möglichen NGOs die gegen das Rauchen, aber auch gegen das Dampfen sind.

Seitenlang wird versucht darin aufzudröseln, wie die Tabakindustrie mittels Sponsoring und Spenden versucht Einfluss auf die Politik zu nehmen. Ich behaupte jetzt einfach mal, dass dies bei der Pharmaindustrie nicht anders läuft aber das sind ja perse “die Guten”.

Gleichzeitig wird darin die E-Zigarette und Tabakerhitzer herkömmlichen Tabakzigaretten gleichgestellt und der Politik unterstellt, sie würde diese Produkte bevorzugen und nichts gegen die Eindämmung des “Tabakkonsums” auch bei diesen Produkten unternehmen. Dabei sollten die Anhänger des FCTC endlich mal das Prinzip der Schadensminimierung (harm reduction) anerkennen, anwenden und einfordern.

Richtig interessant für uns Dampfer ist eigentlich die Seite 24 in diesem Dokument: Anhang II – Organisationen der Tabakindustrie.

Hier werden neben den bekannten Tabakverbänden wurden auch die Händlerverbände für E-Dampfprodukte gelistet, VdeH und BfTG. Und jetzt kommts: darüber hinaus aber auch der Verbraucherverband Interessengemeinschaft E-Dampfen e.V. (IG-ED)!

Quelle: Unfairtobacco – INDEX ZUR EINFLUSSNAHME DER TABAKINDUSTRIE 2020 – S.24 abgerufen am 30.03.2021

Wie die Autorin Laura Graen zu der Feststellung kommt, dass die IG-ED eine Organisation der Tabakindustrie sei, ist mir komplett schleierhaft.

Dabei hätte sie im ersten Schritt nur auf die Website der IG-ED 4 nachsehen zu müssen um folgendes Statement zu finden:

[…]Wir sind ein unabhängiger privater Verein von Menschen, die das E-Dampfen als willkommene Alternative zum Rauchen für sich entdeckt haben. Wir arbeiten im Verein ehrenamtlich, unentgeltlich und unabhängig von Konzernen, Händlern oder Foren. […]

Natürlich versucht sich der Verein auch politisch zu engagieren aber dies geschieht rein aus dem Gesichtspunkt der Verbraucher. E-Dampfprodukte haben nun mal auch in Deutschland tausenden ehemaligen Rauchern beim Rauchstopp geholfen und dies soll auch so bleiben. Das eine Verbandelungen mit der Industrie hier nicht vorteilhaft sind, ist dem Verbraucherverein sehr wohl bewusst und grenzt sich hier auch klar ab. Das wiederum kann man von den ganzen “Public Health Organisationen” nicht so sagen, welche über zig Ecken Gelder aus der Pharmaindustrie erhalten. Ich habe immer öfter den Eindruck, dass die Public Health NGOs von sich auf andere schliessen.

Belege für eine angebliche Verbandelung der IG-ED mit der Tabakindustrie liefert das Dokument überhaupt keine. Daher ist das aus meiner Sicht ein weiterer Schritt der Diskredition von politisch interessierten Verbrauchern, welche die E-Dampfe vor der überbordender Regulierung bewahren wollen. Denn eines ist klar: sollten Politiker dieses Pamphlet lesen, so könnte es sein, dass deutsche Ministerien wie das BMF oder BMEL die IG-ED u.U. nicht mehr um Stellungnahmen für Gesetzesentwürfe rund um die E-Zigarette bitten. Das nennt man dann Rufschädigung.

Wir Dampfer sind diesbezüglich auch schon leid geprüft. Seit Anbeginn der TPD2 Diskussionen, wurden wir Dampfer immer wieder von NGOs als auch von Politiker als Astroturfs, Bezahlkommandos und Bots diffamiert.

Hier bleibt nur noch zu sagen:

Unfairtobacco ist unfair, denn hier wird nur die ideologische Anti-Raucher-Anti-Dampfer-Brille aufgezogen.

Addendum

Auf Twitter wurde dieser Fall öffentlich und die Autorin Graen hat sich offiziell für diese falsche Einordnung entschuldigt 5.

Diese Einordnung war falsch. Ich bitte um Entschuldigung. Im nächsten Index wird das natürlich anders sein! Auch andere Gruppen (diverse Gesundheitsorganisationen) wurden vom BMF nicht um Stellungnahme gebeten. Am Index hat das sicher nicht gelegen.

Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass das bisherige Dokument, wie von Norbert “Zillatron” gefordert, ebenfalls korrigiert wird.

Quellen

  1. https://blue21.de/unfairtobacco
  2. https://unfairtobacco.org/material/index-zur-einflussnahme-der-tabakindustrie-2020/#/
  3. https://unfairtobacco.org/wp-content/uploads/2020/11/Tabakindustrie_Index_Deutschland_2020b.pdf
  4. https://ig-ed.org/dieiged/
  5. https://twitter.com/LGraen/status/1376909709203083266

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